Inhaltsverzeichnis:
- Letzte Plädoyers vor Landgericht Leipzig
- Verteidigung spricht von tragischem Konflikt
- Spurensicherung widerspricht Tatversion des Angeklagten
- Urteilserwartung am 20. Juni
Letzte Plädoyers vor Landgericht Leipzig
Am Donnerstag präsentierten Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung ihre Schlussvorträge im Prozess gegen Marcus K. Der 41-Jährige soll seine Ex-Partnerin Jessica S. am 21. Mai 2024 im gemeinsamen Wohnzimmer erstochen haben. Die zweifache Mutter verblutete an einem Stich in die rechte Halsseite. Die Tat soll laut Anklage kaltblütig und gezielt ausgeführt worden sein.
Die Staatsanwältin forderte eine lebenslange Freiheitsstrafe. Sie sieht Mordmerkmale wie Heimtücke und niedrige Beweggründe als erfüllt an. Jessica S. hatte sich vier Wochen zuvor von Marcus K. getrennt und angekündigt auszuziehen. Dies soll sein Motiv gewesen sein. Hinweise auf einen neuen Lebenspartner der Frau bestärkten laut Ermittlern das Bild einer geplanten Tat.
Verteidigung spricht von tragischem Konflikt
Die Verteidigung stellte eine andere Version dar. Anwalt Markus Czempik plädierte auf Totschlag in einem minderschweren Fall und forderte fünf Jahre Haft. Er bezeichnete das Geschehen als „dynamisch“ und wies auf mögliche Zweifel an einem gezielten Mord hin. Marcus K. habe lediglich versucht, ein Messer aus der Hand seiner Ex-Partnerin zu nehmen. Dabei sei es unbeabsichtigt zur tödlichen Verletzung gekommen.
Ein Co-Verteidiger betonte, dass der Angeklagte jahrelang für die Familie Verantwortung übernommen habe. Er habe Jessica S. zur Arbeit gebracht, die Kinder betreut und sich um Haustiere gekümmert. Diese Aspekte sollten aus Sicht der Verteidigung berücksichtigt werden. Auch Hinweise auf emotionale Belastungen und Suizidgedanken des Angeklagten wurden eingebracht.
Spurensicherung widerspricht Tatversion des Angeklagten
Der Nebenklagevertreter Curt-Matthias Engel bezeichnete die Darstellung von Marcus K. als "Schlag ins Gesicht der Familie". Er stützte sich auf die kriminaltechnische Analyse des Tatorts. Diese deute auf einen gezielten Angriff hin. Die Ermittler fanden keine Hinweise auf eine Auseinandersetzung oder Notwehrsituation. Stattdessen spreche vieles für einen planvollen Ablauf.
Marcus K. soll sich in der Nacht aus dem Schlafzimmer geschlichen, seine Ex-Partnerin im Schlaf überrascht und zugestochen haben. Danach habe er sich gereinigt und die beiden Kinder mit einem Rucksack voller Bargeld zu seiner Mutter gebracht. Eine sofortige Alarmierung der Rettungskräfte unterblieb.
Urteilserwartung am 20. Juni
Das Landgericht Leipzig will das Urteil am 20. Juni um 8:30 Uhr verkünden. Marcus K. hatte in seinem letzten Wort Reue angedeutet. Er sagte leise, es tue ihm leid und dass er die Eskalation nicht gewollt habe.
Am Rande des Prozesses wurde bekannt, dass er seiner Stieftochter, die heute fast 12 Jahre alt ist, ein Hinterbliebenengeld von 12.500 Euro zugesagt habe. Das Mädchen leidet laut Anwältin unter einer posttraumatischen Belastungsstörung.
Die Entscheidung des Gerichts wird mit Spannung erwartet. Der Fall bewegt die Öffentlichkeit seit über einem Jahr.
Quelle: Leipziger Zeitung, www.globewings.net/de